Wer Weichspülgeseier mag und eine heile Welt mit Blumen und Bienen sucht mit ein wenig Heititei sollte hier aufhören zu lesen... Kurzfassung: Alles Scheiße, ja, aber nichts ist verloren.
--------------------------Ab hier wird es härterer Tobak und vielleicht sollte man es nicht kurz vor der oder auf der Arbeit lesen---------------------------
Leider leider hat so ein schwadronieren über Glauben und TOD (Der Tod spricht immer in Großbuchstaben*) einen ernsten Hintergrund. Ich hätte mir gewünscht ich hätte es heute alles kleinschreiben können, doch leider .. die ganze Geschichte:
Montag vor einer Woche wurde ein CT der Lunge gemacht, normale Nachsorge, nix wildes, sicher hat man da keine Lust zu weil man immer Angst irgendwas wird gefunden. Doch der Kurzbefund war easy, nix zu sehen. Der ausführliche Bericht landet in 2-3 Tagen bei ihrem Arzt.
Spitze gelaufen, danke fürs Daumen drücken....
Der ausführliche Bericht am Donnerstag .. am untersten Ende des CTs wo es dort wo die Lungenspitzen sind, rechts an der Kante, nicht Lunge, im Fettgewebe oder so, da ist was 20mm groß und da hört das CT auf. Wir müssen noch eins machen, vom Unterlieb / Darm / und was da so rum kreucht und fleucht.
*FUCK* Termin für weiteres CT am Dienstag, heute ... ich habe Donnerstag bis Montag insgesamt sehr gut rum bekommen und habe mich nicht von Gefühlen und Ängsten unterkriegen lassen, alles Pillepalle .. neues CT und DANN sehen wir was ist.
Dienstag, heute: Wie soll ich euch die Angst beschreiben. Man Zittert obwohl man nicht friert, man weint ohne Traurigkeit, man möchte eine Wand mit der Faust einschlagen nur um sich mit dem Schmerz abzulenken, man sieht Urlaubsfotos und fragt sich ob es die letzten waren, schlucken und atmen werden schwer ...
Zusammenreißen! Egal was ist, so schlimm kann es nicht sein, du hattest genug für für dieses Jahr ... so verging der Tag bis
Dienstag, 15:15 Uhr: CT Termin. Ein Kontrastmittel kann nicht gegeben werden um meine verbleibende Niere nicht zu schädigen, wie beim letzten mal auch .. mit nur noch einer Niere sind sie doch vorsichtiger, sollte einem zu denken geben wenn man so eine Untersuchung hat.
Einatmen, die Luft anhalten, weiter atmen! x2 Sie dürfen sich wieder anziehen und im Wartebereich platz nehmen.
Anstatt wie letztes mal wo vermeintlich alles gut war wurde ich diesmal in einen Raum gerufen .. der Moment wo man eigentlich weiß das alles, wirklich ALLES Scheiße ist, Tränen unterdrücken, vieleicht soll ja nur erklärt werden was sie da sehen... aber mit sehr wenig Hoffnung.
"*BLABLABLA* DA, DAS GEHÖRT DA NICHT HIN, WAS IMMER ES AUCH IST, VORHER WAR ES NICHT DA *BLABLABLA*" (in der Sekunde ging der Kopf irgendwann in einen Emergency-Shutdown und der Rest des Monologs von Dr. <wer-auchimmer> ging an mir vorbei) ich wusste die nächsten Worten denen ich zuhören werde sind die von meinem Urologen... lass den hier doch erzählen was er will... Röntgenfuzzi, mach deinen Job und halts Maul.
Ich warte dann mal auf die CD mit den Bildern, einatmen, ausatmen .. Kreislaufkollaps unterdrücken.
Dr. Urologe, nach 45 Minuten im Wartezimmer *LECK MICH AM ARSCH, BEI SO EINEM FUCK KÖNNTE MAN MAL ANDERE WARTEN LASSEN, DU ARSCH ODER ZUMINDEST SCHONMAL EIN ZIMMER BEKOMMEN!* auch wenn der Gedankengang eben da war ist er ein sehr netter Kollege und erklärt worum es geht, was er es sieht, was er nicht sieht und kann sich nicht vorstellen was der Radiologe da sagte, er will es an die Urologie des UKM (Uniklinik Münster) geben und an deren Radiologie Abteilung. Leute die deutlich deutlich mehr Aufnahmen in ihrem Leben gesehen haben. Theoretisch existieren Immuntherapien die das eigen Immunsystem anregen den Tumor (der NICHT bestätigt ist! Aber leider auch nicht abgesagt .. ) anzugreifen, aber er kann nicht dran glauben, da die Stelle so ungewöhnlich ist ... der letzte Strohhalm, ich nehm ihn mit...
Und so fährt man mit differenzierten Meinungen von zwei Doktoren nach Hause, hat Anruftermine um Termine zu bekommen und hofft weiter das man die Zeit übersteht. Vorallem vom Kopf her.
Dienstag, 18:00 Uhr: Spanisch "Hola, me llamo Robin. ¿Cómo estás?" Ja, auch an diesem Tage war ich beim Spanisch lernen. Und nachdem ich noch ziemlich betrübt und niedergeschlagen dort ankam so war mir später einiges klarer. Wenn ich jetzt Spanisch ausfallen lasse, gebe ich auf, mich, Spanisch, ein zusammenrollen und bemitleiden.
Ich muss weiter machen, weil egal was passiert, egal was es ist, die andere Option wäre der TOD.
Ich bin und war nie stärker als ihr, ich hatte nur keine andere Wahl.
Dienstag, 20:30 Uhr: Spanisch ist zuende, "Muchas gracias. ¡Buenas noches!" Ich kaufe eine 250g Tafel Schokolade .. Seelenfood
Würde man euch vor die Wahl stellen würdet ihr es genauso machen, immer weiter, bis zum letzten Atemzug. Da die andere Wahl das Ende wäre. Es heißt friss oder stirb. Und, wenn ich mich jetzt zusammenrolle, mich bemitleide und den Rest der Tage weine bis ich weiß was es denn nu ist und die Welt gemein und ungerecht ist und was gemacht werden muss oder bis ich tot umfalle (Nein, diese Option steht seitens des Arztes nicht im Raum) so hätte ich diese Zeit verschenkt. Und scheisse, ich will keine Zeit verschenken, sie ist das Wertvollste was ich habe.
Da komme ich auf die Aussage zurück, die schon einmal mein Leben veränderte "Du kannst verschwendete Zeit nicht recyclen!".
Und mit diesem Gedanken komme ich wieder zur Ruhe. Diese Aussage bringt mich immer wieder runter. Verzweifeln, weinen, schreien, ... das alles bringt nichts, außer Kummer und Sorgen, vorallem dir selbst, aber auch anderen. Es hilft nicht, es hilft keinem. Ich muss damit leben oder sterben. Und ich wähle das Leben, also verschwende ich es nicht mit Dingen die unnötig sind und nur wertvolle Zeit zu Müll machen.
Sicher rollen mir beim schreiben hier und da mal Tränen aus den Augen, da ein einfaches, gesundes Lebens vermutlich schöner wäre .. aber ich habe es nicht und kaufen kann man keins.
Ich bin von gestern auf heute nicht kranker, kann immernoch laufen, lachen, atmen und muss nicht schonender behandelt werden. Was ich jetzt brauche sind Freunde und Familie die mir Stabilität geben, die damit klar kommen wenn ich mal einen schlechten Tag habe, mich dann aber nicht bemuttern oder bemitleiden, sondern vielleicht einfach da sind oder damit leben können wenn ich mal eine Feier ausfallen lasse und nicht gleich beleidigt sind wenn eine Antwort mal schnippisch rüber kommt.
Bis Gestern dachte ich manchmal "Ich hasse mein Leben", aber heute ist mir klar geworden, nein, dass ist es nicht was ich hasse. Ich hasse vielleicht meinen Körper, auf jedenfall meine Krankheiten.. mein Leben mag ich sehr mit den Leuten die sich da drin befinden (eine Ausnahme sei gesstattet), manche hätte ich gerne ein wenig näher, aber ich bin froh das sie immerhin da sind.
Ich werde auch meine Wiedereingliederung in die Arbeit nicht verschieben oder aussetzen. Darauf ein kleinen Ohrwurm *Back to life, back to reallity*
Euer .. Robin AMEN
*Terry Pratchetts Scheibenwelt Romane, Gevatter Tod DER IMMER IN GROSSBUCHSTABEN SPRICHT (Ich kann euch die Bücher echt nur empfehlen!)
